Auf dem Zukunftstag Mittelstand haben wir etwas erlebt, das uns nachhaltig beschäftigt: Gürkan Ünlü, Geschäftsführer von ahead&, zeigte in seiner Masterclass, wie sein Unternehmen KI nicht als Ersatz für Menschen denkt, sondern als strategisches Werkzeug , mit Plan, mit Haltung und mit dem Menschen im Mittelpunkt. Es war einer von mehreren Momenten an diesem Tag, an denen klar wurde: Es gibt in Deutschland zwei sehr unterschiedliche Arten, mit KI umzugehen.
Und der Abstand zwischen diesen beiden Lagern ist größer, als viele vermuten.
Die Zahlen: Wo Deutschland wirklich steht
Laut dem KI-Index Mittelstand 2025, einer Studie des Deutschen Mittelstands-Bundes in Kooperation mit Salesforce, setzt bereits etwa ein Drittel der mittelständischen Unternehmen KI ein, knapp ein Viertel testet oder pilotiert entsprechende Lösungen. Gleichzeitig fehlt bei etwa 43 Prozent bislang eine konkrete KI-Strategie.
Das ist das Bild: Viel Neugier, viel Potenzial, aber noch zu wenig strategische Verankerung. 82 Prozent der Unternehmen, die generative KI einsetzen, berichten von Produktivitätssteigerungen – im Schnitt 13 Prozent pro Jahr. Die Technologie funktioniert. Aber sie wird noch zu oft als Experiment behandelt, nicht als implementierbare Strategie.
Die andere Seite: Legitime Ängste, falsche Schlüsse.
Gleichzeitig gibt es eine zweite Realität. Laut dem EY European AI Barometer 2024 haben zwar 67 Prozent der Beschäftigten in Deutschland bereits praktische Erfahrungen mit KI-Anwendungen gesammelt, aber die Angst vor dem Jobverlust ist real und weit verbreitet.
Diese Ängste sind verständlich. Und sie verdienen eine ehrliche Antwort, keine Beruhigungspille.
Was viele Studien jedoch zeigen: Der Begriff „Jobverlust" greift zu kurz. In vielen Fällen entsteht eine Transformation der Berufsbilder statt eines simplen Verschwindens. Übersetzer:innen nutzen KI zur Vorübersetzung und konzentrieren sich auf Qualität und Kontext. Grafikdesigner:innen nutzen KI für Varianten und sparen Zeit für kreative Arbeit. Programmierer:innen nutzen KI für Boilerplate-Code und lösen komplexere Probleme. Die Frage ist nicht: Mensch oder Maschine? Die Frage ist: Wie gestalten wir den Übergang so, dass der Mensch profitiert?
Was verantwortungsvoller KI-Einsatz konkret bedeutet
ahead& zeigt, wie das aussehen kann: Das Unternehmen entwickelt KI-Chatbots als interaktive Video-Avatare, die Dialoge führen, die sich nicht von Gesprächen mit einem Menschen unterscheiden, und setzt dabei auf maßgeschneiderte, strategisch geplante Integration, nicht auf blinden Technologieeinsatz. Der menschliche Aspekt steht dabei nicht im Widerspruch zur Technologie, sondern er ist Teil des Designprinzips.
Bei lutz rath ecolution denken wir KI ähnlich. In unserem Jalinga-Studio unterstützt KI den gesamten Produktionsprozess, von der Inhaltsaufbereitung bis zur interaktiven Videogestaltung. Aber der Mensch, seine Botschaft und sein Wissen stehen im Vordergrund. Die Technologie ist das Werkzeug, nicht der Akteur.
Ein weiteres Beispiel, das die Möglichkeiten besonders eindrücklich zeigt: In Zusammenarbeit mit KI-gestützten Softwareentwicklern arbeiten wir daran, historische Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci holografisch zum Leben zu erwecken, über unsere Holobox. Ein Avatar, der über seine Erfindungen spricht, Geschichte erlebbar macht und Bildung in eine ganz neue Dimension hebt. Das ist kein Selbstzweck. Das ist KI mit klarem humanistischem Bildungsauftrag.
Was wir daraus schließen
KI ist weder Heilsversprechen noch Bedrohung. Sie ist ein Spiegel unserer Entscheidungen: Wie wir sie einsetzen, mit welcher Strategie, mit welchen Werten und mit welchem Blick auf die Menschen, die täglich damit arbeiten: das entscheidet darüber, ob sie uns voranbringt oder überrollt.
KI wird primär zur Unterstützung von Beschäftigten eingesetzt, nicht zum Ersatz – so lautet das Fazit aktueller Studien. Das ist die Richtung, die wir gemeinsam halten müssen.
Die Frage ist nicht, ob KI kommt. Sie ist schon da. Die Frage ist, wer sie gestaltet und mit welcher Haltung.
Wir sind überzeugt: Es geht beides. Innovation und Menschlichkeit. Effizienz und ESG. Technologie und Verantwortung.
Was denkt ihr? Wie geht ihr in eurem Unternehmen mit KI um und welche Fragen beschäftigen euch dabei am meisten? Lasst uns in den Austausch gehen.